dirac-cd-review skug[Okt.2007]:                               

Ebenfalls sehr Zen doch auch gänzlich anders im Phänotyp: Das Wiener Trio dirac, bestehend aus PETER KUTIN, FLORIAN KINDLINGER und DANIEL LERCHER. Die selbstbetitelte CD [d00001, www.dirac.cc] lässt mit ihrem monochrom schwarzen Cover kaum solch erhebenden Inhalt erwarten. Unfassbar schöne Klanggewebe, die mitunter an Aphex Twin'schen Ambient erinnern, immer organisch bleiben und jegliche Kitschgefahr souverän umschiffen. Sehr episch und athmosphärisch, rätselhaft und wie nicht von dieser Welt. Dank eines exquisiten Gespürs für Dramaturgie und Raum kann/können 'dirac´ ganz andere Emanantionen hervorrufen als man es von Akusmatik dieser Bauart gewohnt ist. (Stephan Sperlich)

skug 1_08, Vol 73:

Black star shimmering. Dirac(Kutin/Kindlinger/Lercher) setzen ihren Namen in dunklem grau auf schwarz und doch ist dieses Album kein Nachtschattengewächs, sondern bester Soundtrack, von der Dämmerung in die Nacht hineinzugleiten. Erst allmählich schält sich in Cut 2 eine Orgel
heraus, die Grundstimmung bleibt melancholisch. Und God Speed You Black Emperor! sind wohl in der Indizienkette stark vorzufinden, wenn die epische Grandezza von Cherubim( dank Cellospiel und Vocals von Ivana Primovac) zur vollen Entfaltung gelangt, ehe das Juwel in einer bedrohlich
subsonisch-elektronisch klingenden Wasserflut versinkt. Die Steigerung ins galaktische Gegenteil gelingt im abschließenden <Lysis>, was gleich zu Peter Kutins zweiter CD <Menora> führt. Das Prädikat New Ambient kann auch hierfür vergeben werden, wobei die Akzentuierung elektroakustischer ist, ohne dass sies verstaubt klänge. Kristalline Electronica/Gitarrensounds mäandern und gemäß der sich ausbreitenden Vielschichtigkeit glaubt man, sich beim
Flanieren durch eine weiträumige Industriearchitektur zu ertappen.

Alfred Pranzl SKUG 1_08 Vol. 73

freistil magazin: platte des monats / record of the month


Erstaunliches ereignet sich offenbar am Wiener ElAk, dem Institut für Elektroakustisches. Zumindest wenn man sich diese erste, in schlichtem Schwarz gecoverte Einspielung von Kutin/Kindlinger/Lercher zu Gemüte führt. (Vielleicht spielt ja die Coverästhetik nicht zufällig auf "Black Earth", das Meisterwerk von Bohren & Der Club Of Gore an, was weiß man.) Selten genug wird mit soviel Musikalität an den Laptops hantiert, wie dirac es in erster Linie praktizieren und in zweiter theoretisch handhaben. Szenemäßige Zuschreibung und musikindustrielle Etikettierung lehnt das Trio dankend ab. Was es gelten lässt, ist der Terminus Kammermusik des 21. Jahrhunderts. Unter Verwendung analoger Instrumentalklänge tun sich hier cinemaskopisch breit angelegte, voller Gespür und Lust ausufern wollende Soundscapes vor den Ohren auf. Eine horizontale, mit smarten Drones gespickte Angelegenheit mit klug berechneter Neigung zum Experiment. Im schön weitläufigen Stück "tar de mah" beginnt die Orgel beinahe zu brucknern, bevor in "cherubim" eine sanfte Stimme aus dem Äther auftaucht - eh nur aus phonetischen Gründen, wie dirac erklärt, nicht aus syntaktischen oder gar wegen tieferer Bedeutung. Im besten Sinn oberflächlich geht das so dahin, die Stücke werden mit Fieldrecordings lose verknüpft, drei davon bewegen sich im 10-Minuten-Format, das abschließende "lysis" erstreckt sich etwas länger, die Sounds klingen noch erheblich darüber hinaus nach. Ein glaubhafter Ausweis für junge Meister ihres Fachs. Fuck Chirac!, skandierten sie einst gegen Frankreichs Atom(bomben)versuche. Auf dieses Album adaptiert, muss es heißen: love dirac! (felix)